Die Germanen und ihre heiligen Haine: Bedeutung, Glauben und Rechtsprechung

Die Germanen und ihre heiligen Haine: Bedeutung, Glauben und Rechtsprechung

Die Germanen, eine Gruppe von germanischen Stämmen, die in Teilen Nord- und Mitteleuropas in der Antike und dem frühen Mittelalter lebten, sind seit langem für ihre einzigartige Kultur und Religion bekannt. Ein herausragendes Merkmal dieser Kultur sind ihre „heiligen Haine“, natürliche Waldgebiete, die sowohl spirituelle als auch praktische Bedeutung hatten. In diesem Artikel werden wir die Bedeutung und den Nutzen dieser heiligen Haine näher betrachten.

Nutzen der heiligen Haine

Kulturelles Erbe: Die heiligen Haine dienten als Bewahrer der Geschichte und Traditionen des germanischen Volkes. Sie dienten als Kulissen für heroische Geschichten, göttliche Interventionen und übernatürliche Ereignisse. Geschichten, Mythen und Legenden wurden oft von Generation zu Generation in diesen Hainen weitergegeben, wodurch das kulturelle Erbe der Germanen bewahrt wurde.

Verbindung zum Glauben

Götter und Geister: Die Germanen glaubten, dass ihre Götter und Geister in den heiligen Hainen wohnen würden. Orte wie die Eichenwälder wurden als Wohnstätten bestimmter Gottheiten angesehen, wobei die Eiche oft mit Donar (Thor) in Verbindung gebracht wurde.

Naturverehrung: Die Verehrung der Natur war ein zentrales Element des germanischen Glaubens. Bäume, Quellen und Tiere wurden oft als heilig angesehen und direkt verehrt. Dies spiegelt sich in der besonderen Bedeutung wider, die den heiligen Hainen beigemessen wurde.

Zeremonielle Zwecke: Viele religiöse Rituale und Opferzeremonien fanden in diesen Hainen statt. Es wurde angenommen, dass die Götter in diesen heiligen Hainen präsenter waren, weshalb sie als bevorzugte Orte für Gebete, Opfer und andere religiöse Handlungen dienten.

Gemeinschaftlicher Treffpunkt: Neben religiösen Zeremonien dienten diese Haine auch als Treffpunkte für Stammestreffen oder Versammlungen. Sie waren Orte, an denen wichtige Entscheidungen getroffen, Gesetze verkündet sowie Recht gesprochen wurde.

Sie halfen dabei, den Zusammenhalt innerhalb der Gemeinschaft zu stärken und dienten als zentrale Orte für jegliche Art von Gemeinschaftsaktivitäten.

Verbindung zur Rechtsprechung

Thingstätten: Viele heilige Haine dienten als Thingstätten – Orte, an denen die freien Männer eines Stammes oder einer Gemeinschaft sich trafen, um Recht zu sprechen und Entscheidungen zu treffen. Die Wahl eines heiligen Hains für solche Versammlungen unterstreicht die Bedeutung von Gerechtigkeit in der germanischen Kultur und die Vorstellung, dass Rechtsprechung unter dem Schutz der Götter stattfinden sollte.

Eide und Gelübde: Es war nicht unüblich, dass in den heiligen Hainen Eide und Gelübde abgelegt wurden. Die Anwesenheit der Götter sollte sicherstellen, dass solche Eide eingehalten wurden, und ein Eidbruch in einem heiligen Hain galt als besonders schwerwiegendes Vergehen.

Bestrafung: In einigen Fällen wurden Strafen oder Sühneopfer für Vergehen direkt in den heiligen Hainen vollzogen, wobei angenommen wurde, dass die Götter Zeugen dieser Handlungen waren.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die heiligen Haine der Germanen nicht nur religiöse und soziale Zentren waren, sondern auch Orte, an denen Glaube und Rechtsprechung miteinander verflochten waren. Sie dienten als lebendige Erinnerungen an die tiefen Überzeugungen und Traditionen der Germanen und spiegeln ihre komplexe und tief verwurzelte Beziehung zur Natur und zum Göttlichen wieder.

In der Forschung findet man häufig die Auffassung, dass der nordische Weltenbaum in früherer Zeit ursprünglich keine Esche, sondern eine Eibe (Taxus) gewesen sein könnte. Grundsätzlich erklärt man sich die Verwandlung von der Eibe zur Esche zum Beispiel dadurch, dass beide Bäume auf Island, wo die nordischen Eddatexte abgefasst wurden, gar nicht wuchsen und die Baumarten - in Unkenntnis - deshalb einfach verwechselt wurden.
Yggdrasil der Weltenbaum wird in den Eddatexten wie folgt beschrieben:„Nahe bei diesem Tempel steht ein großer Baum, der seine Zweige weithin ausbreitet und im Winter wie im Sommer immer grün ist. Welcher Art derselbe ist, weiß niemand.“ Die in Europa heimische Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) ist bekanntlich aber nicht immergrün! Eine sehr bekannte, einheimische, immergrüne Baumart, die mit unzähligen Mythen und Sagen behaftet ist, ist die Eibe.

Die Heimat des Gottes des Winters, der Jagd, des Zweikampfes, der Weide und des Ackers Ullr ist nach der Grímnismál Ydalir, was zu deutsch „Eibental“ bedeutet. Odins Speer hingegen ist aus dem Holz der Ask, das ist Eschenholz. Eschen haben in jungem Alter glatte, gerade, kräftige Stämme. Schon früher stellten Menschen aufgrund der „Langfristigkeit“ des Eschenholzes Speere und Lanzen her. Auch heute noch werden die Stiele von Schaufeln, Rechen, Hämmern, Besen und anderen Werkzeugen vor allem aus Eschenholz hergestellt. Eibenholz hingegen ist eher bekannt für sehr zähes, hartes und trotzdem flexibles Holz, dass deshalb seit jeher für die Herstellung von Pfeilbögen verwendet wurde. Ein Eibenbogen konnte deshalb Pfeile bis auf 160Km/h beschleunigen und ihnen damit eine ungeheure Durchschlagskraft verleihen! Der rund 4000 Jahre alte Gletschermann „Ötzi“ aus den Ötztaler Alpen, trug verschiedene Werkzeuge und Waffen aus Eibenholz bei sich. Die Römer holzten vorzugsweise die in Germanien wachsenden Eiben ab. Und dies nur wegen ihrer Eignung zur Herstellung von Pfeilen und Bögen!

Yggdrasil

Yggdrasil, altnordisch Yggdrasill, auch: Weltesche, ist in der nordischen Mythologie der Name einer Esche, die als Weltenbaum den gesamten Kosmos verkörpert. Andere Namen dieses Baums waren wohl Mimameid oder Lärad.

Yggdrasil in der Edda

Nachdem in der Edda die Götter den Ur-Riesen Ymir getötet haben, erschaffen sie, dem Mythos nach, aus seinem Leichnam alle existierenden Dinge. Die Weltenesche Yggdrasil ist der erste Baum, der wächst. Er ist der größte und prächtigste Baum der Welt. Seine Äste breiten sich über alle neun Welten aus und erstrecken sich über den Himmel. Ein Adler ohne Namen sitzt im Geäst, zwischen seinen Augen ist ein Habicht, der Vedrfölnir genannt wird.

Yggdrasil hat drei große Wurzeln, von denen eine nach Jötunheim, dem Land der Riesen, wächst, wo sich auch Mimirs Brunnen befindet. Die andere Wurzel führt nach Niflheim zur Quelle Hvergelmir, wo der Drache Nidhöggr an ihr nagt. Die dritte Wurzel findet sich in der Nähe von Asgard. Das Eichhörnchen Ratatöskr klettert immer zwischen der Baumkrone und Wurzeln hin und her und verbreitet dabei üble Nachrede vom Adler bis zum Drachen. Vier Hirsche namens Dain, Dwalin, Dunneir und Durathror fressen die Triebe der Weltenesche ab. Die zwei Schlangen Goin und Moin, die von Grafwitnir (Grabeswolf) abstammen, nagen an den Wurzeln von Yggdrasil.

Unter den Zweigen des Baums halten die Götter Gericht. Am Fuße Yggdrasils liegt auch der Urdbrunnen, an dem die drei Nornen Urd (das Gewordene), Werdandi (das Werdende) und Skuld (was da kommen soll) ihren Sitz haben, die das Schicksal der Menschen bestimmen. Wenn Yggdrasil zu beben (oder zu welken) beginnt, naht das Weltenende Ragnarök.

Der Aufbau der drei Ebenen Yggdrasils
In den eddischen Literaturen werden bestimmte mythische Orte einer der Welten zugeordnet. An keiner Stelle wird jedoch aufgezählt, wie die neun Welten, die Yggdrasil verkörpert, heißen. Insgesamt werden mehr Weltennamen als neun genannt. Die unten stehende Aufteilung in drei Ebenen und die Benennung der neun Welten ist deswegen eine rein neuzeitliche Rezeption, die in der Forschung so nicht mehr vertreten wird, aber außerhalb davon noch viel Anklang findet.

  1. Oberwelt

Asgard (Asenheim): Heimat des Göttergeschlechts der Asen.
Hlidskialf: Hochsitz des Allvaters Odin
Folkwang (Feld des Volks) und Walhall (Halle der Gefallenen): Ort der im Kampf gestorbenen Helden.
Vingólf (in etwa das freundliche Haus): Sitz der Asengöttinnen.
Bifröst: die Asgard und Midgard verbindende Regenbogenbrücke.

Wanenheim (Wanenwelt): Heimat des Göttergeschlechts der Wanen.
Albenheim (Lichtalbenwelt): Heimat der Alben (Lichtalben).

  1. Erde

Midgard (Mittelheim): Heimat der Menschen.
Jötunheim (Riesenwelt): Heimat der Riesen.
Utgard (Außenwelt): Raum außerhalb.
Muspellsheim: Heimat der Feuerriesen.

  1. Unterwelt

Schwarzalbenheim (Schwarzalbenwelt): Heimat der Zwerge (Schwarzalben).
Niflheim (Dunkelwelt): Reich des Eises, des Nebels und der Finsternis (Polarnacht).
Hvergelmir (der brausende Kessel): Ursprung aller Flüsse.

Helheim (etwa das Verborgene): Totenreich.
Unterwelt der Asen zum Fluss Äsir.
Hrimthusen (einstmals Ginnungagap).

Etymologie

Der Name Yggdrasil, altnordisch Yggdrasill, setzt sich wohl zusammen aus altnordisch yggr „Furcht“, „Schrecken“, „Schrecklicher“ (siehe Liste der Beinamen Odins)‘ und altnordisch drasill „Pferd“.

Einige Interpreten vermuten, dass Yggdrasil „Pferd des Schrecklichen“ heißt, und dass damit die Weltesche selbst als Odins Pferd bezeichnet wird. Nach der Hávamál hing ein Wesen, das man meist als Odin identifiziert, neun Nächte in einem Selbstopfer an einem Baum, der oft mit dem Weltenbaum gleichgesetzt wird. Noch in späterer Zeit sagten die Deutschen, Engländer und die nordgermanischen Völker zum Galgenbaum Ross und zum Gehängten Reiter.

Der isländische Gelehrte Eirikr Magnússon meinte jedoch, Yggdrasil sei das Reittier Odins und nicht der Baum selbst gewesen. Der eigentliche Weltenbaum habe askr Yggdrasil geheißen, also der Baum, an den Odin sein Pferd bindet.


Mit freundlicher Genehmigung von Maik

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